Schade um die Lebenden

918„Die Himbeeren waren schon reif, wie damals das ganze Unglück über Neiselbach gekommen ist, das weiß ich noch. Ich hab nie mehr davon reden wollen, weil ich von Tratscherei nichts halt. Jahr und Tag wird schlecht geredet über die Leut, das hat die Großmutter allweil gesagt, das hab ich mir ein Lebtag lang zu Herzen genommen.

Außer den Meinigen hier oben am Hof hab ich tagelang niemand mehr gesehen gehabt. Wenn es so heiß ist, spazieren die Leute nicht bis zu uns herauf, nur im Frühjahr und im Herbst tun die das öfter, das hat mit den ersten und den letzten schönen Tagen vom Jahr zum tun. Da rennen die Städter überall herum und nehmen ihre Hunde nicht an die Leine und pudeln sich auf, wenn der unsere sie anbellt.“

Schade ist es um die Lebenden – die Toten haben es ohnehin schon hinter sich. So trösten sich die Hinterbliebenen von Charlotte von Schwarz, die im Anwesen der Familie am Schneeberg bei Wien ermordet wurde. Das bedeutet Arbeit für den Wiener Polizeijuristen Dr. Patrick Sandor. Auch eine alteingesessene Hobbydetektivin, die Schneeberger Version der Miss Marple, setzt all ihre Menschenkenntnis ein, um dem Täter auf die Spur zu kommen.
Jacqueline Gillespies bezaubernd unterhaltsamer Krimi führt in ein kleines Dorf in der Gegend des Wiener Hausbergs, in dem die Welt noch in Ordnung zu sein scheint – doch der Schein trügt.

„Oje, schon wieder ein Provinzkrimi. Gibt es nicht schon genug? Jawohl, genug die darauf setzen, dass den Leserinnen die detaillierte Beschreibung der Umgebung vollauf genügt und man bei Krimifall und Sprache nicht mehr so genau hinschaut.
Aber: Eine Leiche irgendwo in eine schöne Landschaft zu legen und dann zu hoffen, dass alle, die die Landschaft als Heimat oder Urlaubsort kennen, das Buch kaufen werden, reicht meistens nicht aus, ein gutes Buch zu schreiben.
Wie wohltuend ist Jacqueline Heschl-Gillespies Roman: Schade um die Lebenden. Das ganze spielt am Fuße des Schneebergs, in einem kleinen Kaff.(…) Der echte Kunstgriff der Autorin ist die Sprache, mit der sie ihre „Miss Marple vom Schneeberg“ ausstattet. Es ist eindeutig österreichisch, was die da spricht, eindeutig provinzösterreichisch, aber wie behutsam und subtil Gillespie das einflicht, erinnert fast ein wenig an – ja, ich trau´s mich zu sagen – Wolf Haas.  (…)“ (Petra Hartlieb, Buchhandlung Hartlieb März 2013)

„Seit Wolf Haas in seinen „Brenner“-Krimis ist mir der kreative Einsatz von Sprache in keinem österreichischen Krimi mehr in so gelungener Form unter die Augen gekommen.“ (Alfred Ohswald, Buchkritik.at)

Haymon Verlag, 2013